Wohnen in ehemaligem Klostergelände, Altstätten (SG)

Das Kloster «zum guten Hirten» wurde 1868 durch den Orden «unserer Frauen von der Liebe» gegründet. Das Mädchenheim ist 1919 erbaut worden und ist im Originalzustand erhalten. Die restlichen Gebäudegruppen, ausser der Kirche und des Schwesternhauses wurden in der Zwischenzeit abgebrochen. Der Charakter von urbanen Gebäudegruppen, welche in der Ebene wie eine Enklave einer anderen Welt stehen, ist bis heute vorhanden. Unter den Gebäuden jedoch besteht heute kein funktionaler Bezug, was die Konsequenz hat, die Anlage neu zu definieren.

Durch das überbaute Quadrat, mit starkem Bezug zum bestehenden Mädchenheim, wird ein eigener Weiler geschaffen, der wie eine Insel in der weitgestreckten Rheinebene schwimmt. Das Gelände wird begrenzt durch den Stadtbach, die Bahnlinien und die neue übergrosse Hecke, welche auf den Standort der ursprünglichen Klostermauer zu liegen kommt. Es entsteht ein grosser Freiraum, welcher in starkem Kontrast zu dem neuen, sehr dichten Weiler, steht. Der Freiraum wird mit einer für diese Gegend üblichen Bepflanzung von Obstbäumen belegt, was in der Zeit des damaligen Klosterbetriebes schon vorhanden war, heute aber nicht mehr erkennbar ist.

Der neue Weiler wird mit vier längsgezogenen Gebäuden ausformuliert. Ein Gebäude ist zu den anderen gespiegelt worden, um das Ganze in ein anderes Spannungsverhältnis zu setzen, und eine vielfältige Dachlandschaft entstehen zu lassen. Durch die Senkung der Schrägdächer bis auf zwei Geschosse, wird die Kleinmassstäblichkeit der umliegenden Agglomeration aufgenommen, obwohl die Gebäude so wieder als Ganzes erkennbar sind. Auf der gegenüberliegenden Seite des bestehenden Mädchenheimes, welches zu Wohnungen umgenutzt wird, liegt die Gartenanlage für sämtliche Bewohner, wie das zur Zeit des Klosterbetriebes üblich war. Die Siedlung ist unterteilt in zwei Erschliessungsgassen mit sämtlichen Hauseingängen und einem Wasserbecken, mit zwei Querverbindungen, welche mit Läden und Kleingewerbe belebt werden.

Ziel ist es, eine möglichst grosse Vielfalt von Wohnungen oder Hausteilen zu entwickeln, welche aber auf demselben Raster begründen. Die Hausteile bestehend aus Einfamilienhäuser und ein-, zwei- und dreigeschossigen Wohneinheiten. Alle Wohnungen, ausser den Geschosswohnungen, besitzen eine eigene Dachterrasse, um den Blick auf die nahe gelegenen Alpen zu öffnen. Jede Wohnung ist direkt von Aussen zugänglich. Das freistehende Haus dient der Gemeinschaftseinrichtung im Erdgeschoss und beherbergt Gästezimmer in den Obergeschossen.

Projekt 1998